Erstveröffentlicht in Stichwort 3/1999
Ebenso plötzlich wie spektakulär kam das Ende für eine der ersten und, wenn wir den Zugriffszahlen des Seitenzählers glauben können, auch erfolgreichsten bündischen Webseiten, denen des Zugvogel, Deutscher Fahrtenbund nämlich.
An Pfingsten war das Führungsgremium des ZV („Ritterkapitel“) zu dem Schluss gekommen, der Bund solle seine WWW-Präsenz auf maximal drei Textseiten ohne Grafik oder Fotos begrenzen, da er sich mit seinem bisherigen Internetauftritt (Zitate!) „prostituiere“, der „Mythos um den Zugvogel entzaubert“ werde und Leute auf den Bund aufmerksam gemacht werden könnten, „die Böses im Sinn haben“.
Ja nun - sich öffentlich darstellen und gleichzeitig verstecken geht nicht, da ist natürlich was Wahres dran; inwiefern sich der ZV mit seinem bisherigen Webauftritt jedoch prostituierte, bleibt mir ebenso rätselhaft, wie die Frage, wer jene perniziösen Gestalten sein sollten, die Böses (?) im Sinn haben. Und dass romantisierender Mystizismus im WWW nicht möglich sei, halte ich für ein Gerücht - vielleicht sollten sich zukünftige Zugvogel-Webgestalter einfach einmal Anleihen im Rollenspiel-Genre suchen, die bisherigen jedenfalls mochten sich mit der auferlegten Beschränkung nicht abfinden, nahmen die Seiten vom Netz und gaben die Domain wieder frei. Sie wollen sich nun der Pflege ihrer Ordensseiten widmen, die allerdings zur Zeit auch nicht erreichbar sind.
Andere Bünde haben zum Glück weniger Berührungsängste mit dem Medium - unter [http://www.jungenschaft.org/] findet sich etwa die Jungenschaft Grenzlandfahrer, halt, nein: die jungenschaft grenzlandfahrer. die seiten sind angenehm übersichtlich gestaltet, eine knappe selbstdarstellung wird ergänzt durch informationen über aktuelle aktivitäten, eine etwas wahllose und knappe linkliste und den hinweis auf die bundeszeitung „die grenze“, deren aktuelle ausgabe allerdings zum redaktionsschluss des stichwort noch nicht in html konvertiert ist, sondern nur als papierausgabe bestellt werden kann.
Wo wir gerade bei der Jungenschaft
sind: Die Hintergründe der Kleinschreibung werden von der dj. köln
ganz gut erklärt [http://www.dj-koeln.de/ay.html]
und wer schon mal da ist, kann sich bei dieser Gelegenheit auch anschauen,
warum die dj.köln Mädchen aufnimmt [http://www./dj-koeln.de/hetzemaedchen.html]
und wie dies von Epigonen der „wahren jungenschaft“ in Form der „Bündischen
Pfadfinderschaft Südland - Freie Jungenschaft“ [1] aufgenommen wird
[http://www.dj-koeln.de/faqmaedchen.html].
Nun ja.
Von den Grenzlandfahrern wechselte ich unvorsichtigerweise - meine augenschonende Filzbrille lag nicht in greifbarer Nähe - zum „Pfadfinderstamm Rote Corsaren“ [http://members.xoom.com/RoteCorsaren/]. Dieser gehört offenbar dem DPB-Mosaik an, was man allerdings aus dem Zusammenhang erraten muss bzw. aus der Linkliste, die überwiegend auf andere DPB-M-Stämme verweist. Das in schreienden Farben gehaltene Design stammt offenbar aus dem Baukasten des Providers, der als Gegenleistung für seine kostenfreien Dienste an prominenter Stelle Werbung platziert. Die Seiten der Corsaren enthalten ansonsten wenig, was über die reine Selbstdarstellung hinaus geht („Über uns“, Stammeslied, Stammeslied als Download, Presseberichte über den Stamm, Bilder).
Einen ganz besonderen Leckerbissen aus der Rubrik Selbstdarstellung bot (der Link ist tot; Anm. d. Verfassers): Bündische Schlager, darunter Macs „Wenn der Abend naht...“, frecherweise auch bei bekannten Urhebern als „Traditionell“ deklariert, als Real-Audio, mit Schlagzeug, E-Gitarre und devastierendem Gesang. Der Begleittext (vom Interpreten selbst verfasst?) spricht für sich: „Andy macht die Art von Musik, die einem das Herz erwärmt wie ein Lagerfeuer Seele und Körper .Seine glutvolle, markante Stimme und seine Gitarre garantieren echte Lagerfeuer-Romantik. Der sympathische junge Mann wird sicher schon bald einer der Sterne am Schlagerhimmel sein. Viel Glück Andy!“ Das wird er auch brauchen.
Ebenfalls online: die Freie Deutsche Jugend [http://www.fdj.de]. Der außerordentlich penetrante Seitenhintergrund in Gelb ist gerade noch zu ertragen (zumindest bei Benutzung der bereits erwähnten Filzbrille) , ausgesprochen nervtötend hingegen wirkt sich die automatisch einsetzende Hintergrundmusik aus. Es war mir leider nicht möglich, das zweifellos kämpferische Kleinod zu identifizieren, welches mangels Bandbreite des WWW im bekannten Franz-Lampert-Bontempi-Orgel-Stil gehalten ist und trotzdem ewige Ladezeiten hervorruft. Ansonsten enttäuscht die FDJ aber niemanden - das Erwartete ist in Vielzahl aufzufinden: Vom Mitteilungsblatt „Fanfare“ über Flugblätter für die „annektierte DDR“ bis zur „Solidaritätsadresse - an die Soldaten des Zerstörers ,,Themistoklis", die den Einsatzbefehl verweigern!“.
Ich habe mir lange überlegt, wie ich die Internet-Präsenz der „Wandervogelgemeinschaft Tomburger Ritterbund e.V.“ [ wohl am besten beschreiben könnte. Ich bin zu dem Schluss gekommen, einfach einen Eintrag eines Tomburgers im Gästebuch wiederzugeben: „Mojen LIWE LEIT MIR SETZEN HEI beim Ampel und sen am drinken.# SO GEHT DAT DANN NOCH A BISCHE UN DANN GEHN MA SCHLOWE HORRIDOH!!!!!“ ( http://home.t-online.de/home/tomburger/ )
Nun ist aber genug gelästert.
Über die Adresse [http://www.dhm.de/museen/lb/] gerät man auf die Netzseite der Leuchtenburg. Nach einem Sprung auf die „Zeittafel“, geht es mit einem weiteren Hüpfer zu [http://www.dhm.de/museen/lb/html/ausflug/muck/muck.htm], einem sorgfältig geschriebenen, bebilderten und mit erklärenden Fußnoten versehenen Text über Muck Lamberty und die Neue Schar. Über einen Hyperlink am Ende des Textes erhalten LeserInnen Zugang zu einem recht ansehnlichen Bilderteil, der das Schaffen der Schar illustriert. Auch die Darstellung des Leuchtenburg-Kreises dürfte für Jugendbewegte interessant sein [http://www.dhm.de/museen/lb/html/ausflug/kreis/kreis.htm].
Dem Thema „Bündische Kultur“ widmete sich die Ausgabe 3-99 des bayrischen BdP-Magazins action. Die Beiträge, die unter [http://www.t-online.de/home/r.nickel/titel~1.htm] in verschiedenen Formaten herunterladbar sind, stammen von diversen Pfadfindern des BdP, aber auch von Axi, Tom Reichardt (DPV), Reiner Rolff und Arno Kloenne - entsprechend variieren die Aussagen zwischen "Das Kind, der Wölfling lebt stark aus dem Grob-Stofflichen, dem Gegenständlichen heraus.“, „Fahrt, Lied, Feuer und Freundschaft sind und bleiben immer schöne und wesentliche Lebensbereiche, wenn sie nicht Selbstzweck sind, sondern durch Streben zu persönlicher Vervollkommnung überhöht und getragen werden.“, „Bündische Kultur gibt es nicht“ und: „"Es sind immer wieder die gleichen alten Männer und Frauen, die etwas über "bündisch" und "Kultur" aussagen wollen, sollen, müssen". Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen - alter Wein in neuen Schläuchen.
Dem Schriftsteller Hans Leip („Falado“) widmet der Iserlohner DPBler Hubert Feyerabend (Hüby) eine Seite, auf der er, neben einem kurzen Überblick über das Schaffen Leip’s, einige seiner Lieder sowohl mit Text und Noten, als auch als Klangdateien zum Download anbietet. Besondere Schmankerl dürften dabei zwei Vertonungen von Hüby selbst sein. [http://www2.lmf.ruhr-uni-bochum.de/~feyerabe/leip.htm]
Zum Abschluss mal wieder ein allgemeiner Hinweis zum Thema Betriebssicherheit.
[http://www.stormloader.com/hirnbrauser/]
Diese Seite demonstriert einen Teil der Möglichkeiten, mit denen Daten von Eurem Rechner ermittelt und mittels JavaScript, Java oder CGI-Scripts weiter ausgewertet werden können. Sie soll Ihnen zeigen, daß alleine mit der "gewöhnlichen" Internet-Technik - also ohne die Anwendung von Hacker-Methoden - möglicherweise mehr Informationen über Eure Rechner abrufbar sind, als Euch lieb ist.
Um die Tests durchzuführen, muss JavaScript und in einem Fall auch Java aktiviert sein. Wer das sowieso immer hat, wird sich unter Umständen überlegen, ob das als Standardeinstellung so sinnvoll ist. Hinweis: Es werden keine Dateien beschädigt oder ähnliches, die Test dienen wirklich nur der Sensibilisierung im Umgang mit Webseiten.
[1] Die "Freie Pfadfinderschaft Südland ..." ist offline - voraussichtlich für längere Zeit, denn zwei ihrer Gruppenführer müssen sich derzeit in München vor Gericht u.a. wegen des Vorwurfs des fortgesetzten Missbrauchs von Jungen in über 500 (!) Fällen verantworten. Für den mutmasslichen Haupttäter [...], dem alleine 377 Missbrauchsfälle angelastet werden, hat die Staatsanwaltschaft neun Jahre Haft gefordert. Vgl. u.a. den Bericht im Stern v. 06.04.2000 "Schmutzige Spiele im Schlafsack".
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