Der "Lemming", buergerlich Leopold Wallisch, ist nach einem 'kleinen Aussetzer' auf Betreiben seines bösartigen Kollegen Krotznig aus der Wiener Mordkommission im Speziellen und dem Polizeidienst im Algemeinen entlassen worden. Nun verdient er sich sein mageres Auskommen bei einer kleine Wiener Privatdetektei und spioniert dort - ungern - potenziellen Ehebrechern hinterher. Dummerweise wird der von ihm überwachte, pensionierte Lateinlehrer Grinzinger nicht nur ermordet, sondern der Lemming ist auch noch in der Nähe und wird am Tatort von seinen ehemaligen Kollegen angetroffen. Ausserdem läuft ihm ein großer, hässlicher Hund zu, der sich sehr seltsam benimmt.

Der Lemming gerät flugs in ein komplexes Geflecht aus Macht und Verrat, Sadismus und Demütigung, dessen Wurzeln zwanzig Jahre zurückreichen und die Mördersuche wird zum Wettlauf mit dem brutalen Ex-Kollegen Krotznig. Des Lemmings einzige Trumphkarte: Eine ominöse Nickelbrille, die Grinzinger kurz vor seinem Tod im Wald vergraben hat.

Sehr, sehr nettes Buch. Grausig-komisch, witzig, skuril, leicht melancholisch. Facettenreich und mit einer Menge Lokalkolorit, ohne Heimattümelei. Kurz: So wie wir armen Piefkes uns Krimis vorstellen mögen, die von Wienern geschrieben werden. Und dabei bei weitem nicht so sperrig zu lesen wie Wolf Haas. Ich hoffe, der erste Fall des Lemmings wird nicht sein letzter Sein!

Stefan Slupetzky, Biographie, Preise & Auszeichnungen sowie eine Werksliste hier, ist übrigens nicht nur ein wahres Multitalent, sondern auch Mitbegründer des ,,Vereins zur Verwertung von Gedankenüberschüssen" und Erfinder solch unverzichtbarer Gebrauchsgegenstände wie des ,,Transzebra Portable", eines ausrollbaren Zebrastreifens. Seine eigene Homepgae findet sich hier.
 

Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming. Rowohlt Paperback, Erstauflage 3/2004, ISBN: 3-499-23553-6, 252 Seiten, EUR 12,00

LGB 2004