Ein Zufallskauf, kurz vor Weihnachten aus dem Neuerscheinungregal gepflückt und nicht bereut:
Eine WG, egal wo, irgendwo in Deutschland. Die Bewohner - vier Frauen, zwei Männer und lauter Gegensätze:
Da ist Phaser, der kiffende Trekki, dem das Erwerbsleben bei 30.000,-- DM BaföG-Schulden wenig verlockend erscheint und der das Warten für eine der Hohen Künste hält; Britta, die Karrierefeministin, die ihre WG mit Technobeats und selbstentworfenen Psychotests traktiert; Jörg, der politisch überkorrekte Gutmensch in der Dauer-Beziehungskrise; Admira, die sich mit wechselnden Lovern zwischen Feng-Shui, Mondzyklenkalender und Motoradschrauben einrichtet; "das Huhn" Jennifer, ein Erstsemester-Kunstgeschichtshäschen, prädestiniert für ein Reihenhausleben und zuguterletzt die Medienwissenschaftlerin Endo, die gerade ihre Diplomarbeit unter dem Titel „Analyse der Veränderung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Rezeption von Streichkäsewerbung in Deutschland 1960-1990“ schreibt.
Schreiben sollte. Denn sie widmet sich lieber ihrer Datei „schöner_wohnen.doc“, in der sie, scheinbar ohne Gewichtung Höhen und Tiefen, Irrungen und Wirrungen des WG-Alltags schildert und sich und ihre MitbewohnerInnen und deren Eigenarten scharfen Auges seziert. Dem Mäkeler mag der konsequente Plauderton missfallen (dem Rezensenten des konservativen "Rheinischen Merkur" tat es dies auch), ich fand es witzig und entspannt und auch wenn ich im Gegensatz zu der 1971 geborenen Autorin _kein_ WG-Bewohner bin (Sennewald lebte nicht nur vier Jahre in einer Hippie-WG in den USA, sondern tut dies auch derzeit in einer 20er-WG in Hildesheim), noch jemals war - irgendwie kamen sie und ihre MitbewohnerInnen mir doch bekannt vor. :-)
Nadja Sennewald: schöner_wohnen.doc - ein
wg-roman. KiWi OA 2000. ISBN 3-462-02956-8, 196 Seiten, DM 16,90.