Also, erstmal hat Phosphor 1999 die "bleiche Feder" bekommen. Nun, eigentlich hat nicht Phosphor diese Auszeichnung bekommen, sondern nur der Klappentext von Phosphor, denn "Die bleiche Feder" ist der seit 1998 vom Verband der Verlage und Buchhandlungen Berlin-Brandenburg und der "Süddeutschen Zeitung" vergebene Preis für den schlechtesten Klappentext auf der Leipziger Buchmesse.

"Scharfsinnig und anrührend zeigt Sven Lager in einer ganz besonderen Sprache, dass das Leben nur Sinn macht, wenn man den Dingen einen Sinn zuerkennt." Kracht hat dem Klappentext zufolge mit seinen Romanen "eine Egozentrikprosa gegründet, die heute als Modell für eine bestimmte Richtung der Popliteratur herhalten muss". Und weiters heisst es: "Wer seine Bücher kennt, weiß, dass Kracht sich natürlich darüber hinaus der Rastlosigkeit verschrieben hat."

Der Hamburger Autor Matthias Politycki, der neben der Berliner Schriftstellerin Renee Zucker in der Jury saß, sagte dazu:

"Das ist Simulationsprosa, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Klappentext zu tun hat. Diese Texte sind Kult. Andächtig verneigen wir uns damit vor dem Zeitgeist", sagte Politycki in seiner Laudatio.

Das ist ja schonmal abschreckend. Die Lobhudelei von Christian Kracht ("Faserland") auf der hinteren Umschlagsseite macht es denn auch nicht besser:

"Ich kaufte Lagers Phosphor und legte es auf die hintere Ablagefläche meines Chevrolet Trailblazers, mit dem ich immer sonntagmorgens vor der Salumeria in Berlin-Mitte parke. Seitdem sprechen mich täglich zehn Menschen darauf an. Ich sage jedem: Bitte lesen sie dieses Buch."

Ob's da nicht auch eine mit Häkelmantel umhüllte Klopapierrolle getan hätte? 'Bitte benutzen sie diese Rolle'.

Nochmal 'junge deutsche Literatur' also.

Ein junger Mann taumelt durch Berlin, oder besser durch "sein" Berlin. Oder besser: Er erlebt nicht Berlin, sondern sich in Berlin. In den ersten Zeilen fällt ein Schuss, doch "die ganze Stadt ist doch so. Ständig knallt was. Kann ein Auspuff sein oder die Tür von einem Laster oder jemand, der gerade erschossen wird." Jo. Der Schuss wird später keine Rolle mehr spielen, wen wundert's.

Die Handlung ist ziemlich lapidar. Laura ist weg, der Verlassene trifft einen Freund, sie gehen aus und sehen eine junge Frau, Fanny. Am nächsten Tag sehen sich die drei wieder. Ein weiterer Freund kommt hinzu, es bahnt sich eine neue Liebe an, und so weiter. Die zentralen Handlungen sind neben dem Durch-Berlin-Taumeln das Ausgehen, das Rumsitzen in hippen Clubs, die in der 'jungen deutschen Literatur' offenbar unvermeidlichen Drogenerfahrungen mit Freunden, unbestimmte Sehnsüchte. Zur Beschreibung drischt auch Lager eine Menge Phrasen, häuft Metaphern an und verwendet Floskeln, die er wohl für Chiffren hält. Zu erzählen hat er eigentlich nichts und das tut er nicht unangenehm aber dann ist das Buch zuende. Irgendwie prädestiniert dazu, vergessen zu werden.

Sven Lager: Phosphor. KiWi 560, 235,5 Seiten, DM 18,90.
 

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