Bravo und Zeit, Poprocky und Wiener, Scout-Schulranzen, Playmobil-Piratenschiffe, Yps-Heftchen mit nutzlosen Plastik-"Gimmicks", 'Wetten dass ...' mit Frank Elstner, die piepende Windrose am Ende der Tagesschau, Kindergeburtstage und Brauner Bär für 50 Pfennige, Geha- und Pelikan-Fraktionen, erste IKEA-Erlebnisse mit den bunten Plastikbällen, undsowweiter undsofort und natürlich ...: der Golf.
Bestimmt 90% der Leser von Illies' Enzyklopädie der Marken und Moden der letzten 30 Jahre werden sich wieder erkennen. Sofern sie im Westen lebten natürlich. Und sofern sie nicht zu den Klassenkameraden gehörten, die mit dem elterlichen Traktor zur Schule fuhren: "Später dann, auf den Klassentreffen zehn Jahre drauf, als sie immer noch Traktor fuhren und noch immer T-Shirts zu Traininghosen trugen, wurde mir klar, daß wir die Erlaubnis, die Traktorfahrer zu überholen, längst in einem umfassenden Sinne verstanden hatten."
Erstmal ist das Buch eine Materialsammlung mit hohem Weisst-Du-noch-Faktor, das hat er schon ganz gut hinbekommen, der erst 28-jährige FAZ-Redakteurs-Schnösel.
Was aber ist es darüber hinaus, soll es darüber hinaus sein? Eine Gebrauchsanweisung zum Verständnis einer Generation? Oder eine solche zum Verständnis der Bücher von Stuckrad-Barre und Kracht? Oder hatte Illies vor, das Lebensgefühl einer Generation zu rekonstruieren? Oder wollte er ihr sogar einen Spiegel vorhalten?
Ich weiss es nicht. Er polemisiert sehr unterhaltend auf hohem Niveau, keine Frage und es hätte sogar so etwas wie eine Abrechnung werden können, aber letztlich überzeugt bin ich davon nicht, denn Illies bleibt zu sehr gefangen in seiner Rolle als Bestandteil der "Generation Golf", als dass er in der Lage wäre, die weitverbreitete Konsumorientierung und Inhaltsleere zu überwinden und zwar erst in zweiter Linie die einer ganzen Generation, in erster Linie seine eigene.
Florian Illies: Generation Golf. Eine Inspektion.
Berlin: Argon, 2000. 217 S. (geb.), ISBN 3-87024-512-3, DM 34,00
P.S.: IMHO fuhren/fahren nur Chris de Burgh-Hörer
Golf, und der einzige Golf, den ich in meiner Autofahrerlaufbahn zeitweilig
gezwungen war, mein eigen zu nennen, hätte vor Illies' kritischen
Augen keinen Bestand gehabt - er war hellblau und (rost)braun, kostete
DM 700,- und brachte die Summe voll wieder ein, als mir Heiligabend '92
eine Trine hintendrauf brezelte.