Er soll als Narr und enger Vertrauter des berüchtigten Vitalienbruders Klaus Störtebecker dem Scharfrichter überstellt werden. Aufgrund seiner Herkunft und der Stellung seines Bruders erhält Simon vor seinem Tod jedoch noch das Privileg, einem Mönch seine Lebensgeschichte zu diktieren, damit diese für die Nachwelt festgehalten werden könne.
Und so erzählt Simon - von seiner Jugend im Schatten eines lieblosen Vaters, von ersten Ausreißversuchen im zarten Knabenalter, von der Flucht nach der Verwicklung in einen Mord, von seinen Reisen als eigenständiger Kaufmann bis an den Rand der Welt. Von seinen Kerkeraufenthalten in vieler Herren Länder, vom Leben als Gelehrter und Entdecker, Gaukler, Aufwiegler, Abenteurer und schließlich Freibeuter. Von Norwegen über Island und Portugal verschlägt es ihn bis nach Tunis, wo er mit einem arabischen Fürsten Freundschaft schliesst und sogar ein Prinz wird. Doch wirklich zur Ruhe kommt Simon auch dort nicht, er lässt sich immer weiter treiben und gelangt so zu den Vitalienbrüdern. Deren Sternstunden aber sind längst vorüber, sie sind ein Schatten ihrer selbst, vorbei die Zeiten, in denen Störtebecker und seine Mannen mit Fürsten und Königen tafelten und ganze Landstriche in Angst und Schrecken versetzten. Die Vitalienbrüder halten sich auf einer Insel versteckt und selbst ihre letzten verzweifelten Bemühungen, noch einmal erfolgreich auf Kaperfahrt zu gehen, scheitern.
Ein opulentes Sittengemälde aus der Frühzeit der Hanse, ein Seefahrer-Roman, wie man sich ihn wünscht, denn spannender kann eine Lebensgeschichte in unruhiger Zeit kaum erzählt werden. Konrad Hansen versteht es meisterlich, ein opulentes, derbes und doch mit Humor und Augenzwinkern versehenes Sittengemälde aus der Frühzeit der Hanse zu zeichnen.
Konrad Hansen: Simons Bericht. Eine nordische
Odyssee.
Gebundene Ausgabe: Eichborn, 1998. ISBN: 3-8218-0568-4,
557 Seiten, DM 49,80
Taschenbuch: Piper, 2000. ISBN: 3-492-22845-3,
557 Seiten, DM 19,90
Konrad Hansen, wurde 1933 in Kiel geboren, studierte Germanistik, Philosophie, Theologie und Volkswirtschaft und war unter anderem Reporter und Abteilungsleiter bei Radio Bremen und Intendant des Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Von Hansen stammen Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke, auch in plattdeutsch, ausserdem der Roman 'Die Männer vom Meer':
Angesiedelt in der Zeit, als die Wikinger in Nordeuropa ihre Macht ausdehnten, erzählt der Roman von Helden, Königen und Seeräubern, von Händlern und Kriegern, von Hexen, Zauberern und Priestern. Und von ganz gewöhnlichen Menschen. Einer von ihnen ist Björn Hasenscharte, der zunächst das leidvolle Dasein eines Sklaven führt, ehe er auf abenteuerliche Weise zunächst das Handwerk des Kammmachers erlernt und schliesslich durch eine abenteuerliche Seefahrt Reichtum und Ansehen erlangt. Er wird Geschichtenerzähler von König Harald Blauzahn, nimmt an dessen Feldzügen gegen die Pikten und den englischen König Aethelred teil, kehrt nach Dänemark zurück, erlebt dort das Ende Harald Blauzahns und verliert selbst alles - bis auf sein Leben und einen reichen Schatz an Erfahrungen und Erzählungen. Trockener Humor, bewusst subjektive Blickwinkel, teils blutige Details, machen die Geschichte ebenso glaubwürdig wie fesselnd. Das Buch gehört zweifelsohne in einem Atemzug mit Bengtssons 'Roede Orm' genannt.
Konrad Hansen: Die Männer vom Meer. Nordland-Saga
(Eichborn)/Wikinger- Saga (Piper)
Gebundene Ausgabe: Eichborn, 1992. Vergriffen
Taschenbuch: 6. Aufl. (1994) Piper, ISBN: 3-492-21727-3,
527 Seiten, DM 19,90