Gisbert Haefs (sprich: Haafs) wurde am 9. Januar 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren und studierte später Anglistik und Romanistik.
Er übersetzt aus dem Spanischen und Englischen, arbeitet als Herausgeber u.a. von Ambrose Bierce, Arthur Conan Doyle, Rudyard Kipling, George Luis Borges und schreibt eigene Romane und Erzählungen.
Auf sein Konto gehen historische Romane wie Hannibal, Alexander, Alexander in Asien, aber auch eine humorige ScienceFiction-Reihe um den Sicherheitsbeauftragten des galaktischen Comonwealth, Dante Barakuda.
Seine bekannteste Figur ist jedoch zweifellos der
snobistisch verbildete, ausgesprochen verfressene und entsprechend fettleibige
Hobbydetektiv Baltasar Matzbach.
Biogramm Baltasar Matzbach:
"...wurde Baltasar Matzbach als „Universaldilletant“ bezeichnet, der sich in die Gefilde der Kriminalistik verirrt habe. Das Etikett beklebt einen, der von vielen Dingen zu viel weiß, um sie ernst zu nehmen, zu wenig, um von ihnen ernst genommen zu werden, und genug, um Experten zu bluffen und Laien zu amüsieren. Interessanter sind jedoch andere Aspekte, so zum Beispiel Matzbachs verwegene Verfressenheit; wie zu Zeus sein Donner und zu Jehovah sein Zorn gehört zu Baltasar sein Wanst. Immerhin kann er es sich seit vielen Jahren leisten, Hecht zu essen und zum folgenden Fleischgang einen Grand Cru zu trinken. Er kam über die Welt im gleichen Jahr wie der Zweite Weltkrieg. Nach dem Verscheiden seiner Eltern wuchs er bei Verwandten auf und studierte später Philosophie und Kernphysik. Dabei erfand er etwas für ein Betatron, so kompliziert, daß er es selbst schon nicht mehr erklären kann, aber das Patent wurde bis etwa 1984 verwendet und warf in dieser Zeit einiges ab, wie auch ein vollendet schwachsinniger Schlager, den BM Ende der 50er komponierte und der zuletzt anno '89 aufgenommen wurde, so daß die GEMA bisweilen freundliche Schecks schicken konnte. Ein Hauptgewinn im Lotto sorgte 1962 dafür, daß BM aus dem Gröbsten heraus war. Er investierte klug und ergab sich der sinnlosen Bildung; von ihm verfaßte Werke wie „Monotheistische Strömungen des inselkeltischen Druidentums“, „Schamanistische Einflüsse in die Analekten des Konfuzius“ oder „Sexualpathologische Aspekte der Psychokinese“ gelten in den konzentrischen Fachkreisen als Standardschriften. Einige Jahre hielt er sich, ehe die touristische Völkerwanderung sie verwüstete, an der bretonischen Nordküste auf, als Veruntreuer von Touristinnen und Privatdozent wider Okkultismus. Jahrelang verdiente er sich ein Zubrot mit seinem Kummerkasten „Fragen Sie Frau Griseldis“, der zu 1988 erfolgten Konkurs einer großen Illustrierten beigetragen haben mag. Ferner droht irgendwann die Veröffentlichung seines geheimen Hauptwerks, der „Leichnam in der Weltliteratur“. Möglicherweise sind seine detektivischen Aktivitäten nur ein Vorwand hierfür, oder umgekehrt."
"Quelle": Jakob Grunewlad, Willkürliche Biogramme,
³1997
Dieser liebenswerte Mensch also treibt in den folgenden
Werken sein Unwesen:
Mord am Millionenhügel (1981)
Vielleicht sollte man das erste Buch der Matzbach-Reihe auch wirklich als erstes lesen und nicht vorher "Mörder und Marder" oder "Und oben sitzt ein Rabe".
Mir war das leider nicht vergönnt und so war die Lektüre eher enttäuschend. Die Handlung ist eher unglaubwürdig, die Charaktere flach. Das Buch ist Anfang der 80er ersterschienen und vielleicht liegt da eines der Probleme: Die Sprache - nichts ist so gammelig, wie die 'In-Sprache' von Gestern.Es wirkt in der Rückschau einfach alles sehr bemüht.Die vor allem zu Beginn flache Handlung ist übrigens folgende:
Matzbach findet nach durchzechter Nacht eine fremde
Zahnbürste in seinem Bad und in einer von Matzbach stark frequentierten
Bonner Altstadtkneipe taucht ein Mann im grauen Anzug nicht mehr auf. Matzbach
wittert aus nicht nachvollziehbaren Gründen Unheil. Er stößt
auf ein Verbrechen in einem Bonner Nobelvorort - auf dem Millionenhügel
eben, haha! und erst ab da wird's dann einigermaßen vergnüglich.
Und oben sitzt ein Rabe (1983/1988)
Wahrscheinlich der bekannteste Matzbach-Krimi und sicher einer der besten, gehört eigentlich zusammen mit dem „Doppelgrab“, denn mitten in der Geschichte muß Matzbach in die Provence reisen , um dort einen Fall zu lösen. Matzbach klärt den Mord an einem Rechtsanwalt und seiner Geliebten. Der Ex-Mann der Geliebten, ein Andreas Goldbach, gerät unter Verdacht. Zitat:
"Andreas besitzt einen alten, raeudigen Raben. Dieser flucht und ißt gern Kaviar mit Marmelade oder Erdbeertörtchen mit Senf." Baltasar strahlte. "Ein erfreuliches Tier. Fast neige ich dazu, an die Unschuld dieses Mister Goldberg zu glauben. Hast du noch etwas dazu zu sagen?" Moriz nickte triumphierend. "Ja. Der räudige Rabe heißt Poe. Baltasar atmete tief durch. "Alles klar, dann ist Goldberg unschuldig".
Nicht nur Haefs, sondern auch sein alter ego Matzbach
sind große Borges-Verehrer und anhand von Borges' Werk gelingt es
Matzbach, dem wahren Taeter auf die Spur zu kommen. Als rechte Hand Matzbachs
ist der arbeitslose Philosoph Henry Hoff mit von der Partie. Sehr schön:
Die obskure "Gesellschaft zur Stärkung der Verben e. V.". Mehr wird
nicht verraten. Lesen!
Das Doppelgrab in der Provence (1984/1988)
Den dritten Schlupfhafen der Johannisbeere soll er finden und ein würdiges Begräbnis organisieren. Matzbach erhält von seinem Freund Bronner mitten in deinem anderen Fall ("Und oben sitzt ein Rabe") diesen etwas seltsamen Hilferuf aus der Provence und eilt sogleich nach Les Baux. Bronner ist verschwunden, nachdem er offenbar eine archäologische Entdeckung gemacht hat, hinter der auch einige Dunkelmänner her sind.
Bei der Aufklärung genießen Matzbach
und seine Konkubine, "in wonniglicher Gefährteschaft einander zugetan"
natürlich auch ausgiebeig Landschaft und Küche der Provence.
Auch lesen!
Mörder und Marder (1985/1988)
Ein fast klassiches Kammerspiel, denn praktisch das ganze Buch spielt in einem eingeschneiten Haus im Westerwald
Dorthin nämlich wird Matzbach mit seinem bereits aus "Und oben sitzt ein Rabe" bekannten Freund, dem Philosophen Henry Hoff, zu einem Treffen mit Hoffs frueheren Studienkommilitonen eingeladen. Die sieben Anwesenden ueben allesamt reichlich ausgefallene Tätigkeiten aus, um nicht zu verhungern. Gaspar Schuster etwa, der Tiere aus verschiedenen Zoos aufkauft und an interessierte Personen vermietet. Nach der Ankunft von Matzbach und Hoff unterbricht ein Schneesturm alle Verbindungen nach außen und in dieser klassischen "Locked-Room"-Situation geschieht natürlich ein Mord. Matzbach findet, ntürlich, innert eines spannenden Tages den Täter.
Wer's darauf anlegt, kann trotz amüsanter Lektüre
Schwächen erkennen: Die Figuren sind arg überzeichnet und der
Leser kann die Lösung des Falles nicht nachvollziehen, da ihm relevante
Informationen nicht oder zu spät geliefert werden. Matzbach trifft
im Westerwald übrigens seine neue Freundin: Jorinde - die rothaarige
Hexe.
Das Triumvirat (1987)
Vier Kurzgeschichten, in denen Matzbach zwar tw.
die Hauptrollespielt, die aber eigentlich nicht in die "klassische" Matzbach-Serie
passen, weil ihnen u.a. die bereits eingeführten Nebenrollen fehlen.
Im Wesentlichen handeln die beiden Triumvirat-Geschichten von drei älteren
Herren, einem Pfarrer, einem Arzt und einem pensionierten Oberst, die bei
ihrer Skatrunde das "Wer war's"-Rätsel lösen. Muss man nicht
gelesen haben, auch nicht als Matzbach-Fan. Die KG "Matzbach fährt
nach Schweden" soll übrigens demnächst als Lesung auf CD erscheinen.
Matzbachs Nabel (1993)
Eine wüste Geschichte eine ebenso wüste
Verschwörung. Fällt gerade nach „Mörder und Marder“ etwas
ab. Aber erstmals taucht Herr Yü auf.
Kein Freibier für Matzbach (1996)
Nachdem Balthasar Matzbach in seinem letzten Fall den Bonner Politklüngel auf groteske Weise aufgemischt hat - unter anderem legte er einer originalgetreuen Kanzlerkopie und einem falschen Oskar Lafontaine das Handwerk - zog sich der Universaldilletant aus diesem Metier zurück.
Matzbach betreibt mittlerweile ein exquisites Speiselokal auf einem Kahn am Rheinufer. Der Kellner ist ein von der US-Army vergessener Cheyenne, der Koch ein Ashanti, der Geschäftsführer Herr Yü ein Chinese. Mädchen für alles, Damenbeglücker und Bodyguard ist ein Zwerg mit einschlägiger Halbwelterfahrung.
Matzbach langweilt sich ein wenig und sucht geradezu
nach kriminalistischer Betätigung und bekommt bald Arbeit: Nachts
wird ein Stammgast und hoher Regierungsbeamter auf dem Anlegesteg gefunden,
kopflos. Empört ob der Rufschädigung seiner Küche nimmt
Matzbach die Ermittlungen auf, in deren Verlauf auch noch sein ehrwürdiger
Mentor mit Heideggers philosophischen Traktaten zu Tode gefoltert wird.
Es kommt die lokale Unterwelt mit Schutzgelderpressung ins Spiel und die
Ereignisse nehmen ihren Lauf. Skurriele Handlung, feinsinniger Subversion
und ruppigem Kulturbolschewismus at it's best.
Schmusemord (1999)
Matzbach ist zurück. Ein bisschen älter, ein bisschen grauer, aber rethorisch brilliant wie immer. Auch andere alte Bekannte sind wieder mit dabei - der Chinese Yü, der Zwerg und der Ashanitfürst. Leider spielen sie keine wirkliche Rolle, sie dienen nur der Inszenierung von brillianten Dialogen. Nicht der beste Matzbach-Krimi, aber immerhin.
Die Handlung in Kürze:
Ein Kölner Bankier ist edler Philantrop und
einer der spendabelsten Mäzene der ganzen Republik. Sagt man. Dann
stirbt ein Journalist, der sich für das neueste Projekt des großen
Spenders interessiert hat, sehr plötzlich. Ein weiterer Journalist
wittert Unrat und bittet Baltasar Matzbach um diskrete Nachforschungen.
Ebenjener macht sich mit seiner Liebsten Hermine ans Werk - und kommt
prompt einem weiteren Kölner Finanzier auf die Schliche. Weitere Rollen
spielen die Resistance und ein Wiener Anwalt.
Kein Feuerwerk für Matzbach (2003)
Endlich, endlich: Ein neue Matzbach und zu meinem größten Erstaunen nicht erst im Juni, wie vom Verlag Goldmann angekündigt, sondern schon im Mai (daran sollte sich grafit mal ein Vorbild nehmen).
"Baltasar Matzbach, sinnenfroher Gemütsmensch mit Neigung zum Detektivspielen, hat es diesmal gleich mit mehreren Rätseln zu tun: Ein junger Mann ist verschwunden, ein Kind wurde entführt, eine Frau wird von ihrem Verehrer gesucht und ein Schatz aus der Zeit der napoleonischen Besatzung wartet darauf, gehoben zu werden. Alle Spuren führen nach Klitterbach, einen Ort im Bergischen Land, dessen Einwohner nicht halb so harmlos sind, wie es scheint ..." Zitat des Verlages.
Wenn diese Seite fertig ist, lese ich es.
Außerhalb der Matzbach-Reihe sind ein paar
weitere Krimis von Haefs erschienen:
Auf der Grenze (1996)
Zwölf Kurzgeschichten, von denen uns zwei bereits aus dem "Triumvirat" bekannt sind. Ganz nett für zwischendurch oder wenn man gerade ein bisschen Zeit totschlagen möchte, aber kein wirklicher Gewinn.
Die Schattenschneise (1989)
Kenn' ich nicht.
Andalusischer Abgang (2000)
"Inspiriert von der Last mit der Lust, vulgo der Völlerei, leuchtet er die Licht- und Schattenseiten der menschlichen Seele aus. Als Autor von Science-Fiction-, Kriminal- und historischen Romanen hat sich Gisbert Haefs einen guten Namen gemacht und unterhält seine Leser mit einer gelungenen Mischung aus Spannung, Ironie und Sprachwitz."
"Gisbert Haefs führt mitten hinein ins pralle, wüste Leben" (Der Tagesspiegel)
Nein, kein neuer Matzbach, leider. Es betritt ein
neuer Protagonist die Bühne, der Frankfurter Ex-Staatsdiener und jetzige
Privatschnüffler Mario Guderian. Ansonsten ist aber eigentlich alles
wie immer und da liegt wohl die Schwäche des Buches - zu Matzbach
passten die Sprachschwurbeleien von Haefs, die Gelegenheit, seinen Sprachstil
etwas zu modifizieren und dadurch eine frische Brise in seine Krimis zu
schreiben, hat Haefs verpasst. Die Handlung ist schnell erzählt: In
einem spanischen Kaff wird vor einem Bordell eine Leiche gefunden, kopflos
und in schon fortgeschrittenem Verwesungszustand. Angeblich handelt es
sich um die sterblichen Überreste eines Frankfurter Geschäftsmanns.
Da aber an der Identität des Toten Zweifel bestehen, reist der Held,
aus unerfindlichen Gründen wie ein Nazi-General benamstim Auftrag
der Lebensversicherung des mutmaßlichen Toten nach Spananien. Er
trifft dort auf die ebenso verführerische wie zwielichtige Witwe in
spe und einen spanischen Polizisten, der einen Privatkrieg gegen seine
korrupten Vorgesetzten führt. Der wietere Handlungsverlauf ist leicht
vorhersehbar und das Buch im Großen und kein wirkliches Lesevergnügen.
:-(
Gisbert Haefs: Andalusischer Abgang. Roman. Originalausgabe
2000, Rowohlt Taschenbuch, ISBN 3-499-22816-5, 191 Seiten, 14.90 DM.