Cops and killers - die Grauzone zwischen Recht und Verbrechen, packend und authentisch vorgetragen, spannend bis zur letzten Seite. Das kennt man eher aus Krimis amerikanischer Autoren, die in L.A., N.Y. oder Boston spielen. Aber das gibt es auch aus Düsseldorf und in deutsch. Horst Eckert heisst der Mann, der das möglich macht. Mit klarer, oft harter aber nicht zu vulgärer Sprache seziert er komplexe Stoffe und beschreibt die Netze intriganter Machenschaften, die sich eben auch um jene ranken, die eigentlich die 'good guys' sein sollen - zermürbte, müde, korrupte oder karrieregeile Polizisten.
 

Horst Eckert, geboren am 7.5.1959, studierte Politische Wissenschaften (Diplompolitologe), lebt seit 1987 in Düsseldorf und arbeitet als Fernsehjournalist in Köln. Die Düsseldorfer Ermittler stehen bereits in "ANNAS ERBE", dem 1995 veröffentlichten Erstling, im Mittelpunkt des Geschehens -  lassen wir mal Dritte sprechen, es ist schon so lange her, dass ich das gelesen habe:

»Eine spannende, geheimnisumwitterte Geschichte, worin sich ein  Mord vor 25 Jahren mit einem gerade frisch passierten verbindet, ein sympathischer, da mit manchen Macken behafteter Held (junger Oberkommissar), bitterböse Quasi-Enthüllungen über Filz, Korruption und Sittenpolizei, ein bisschen Liebe – und eine gekonnte Schreibe. … ein vielversprechendes Debüt.« ('Überblick')

»… ein harter, düsterer Großstadt-Krimi, packend und stringent erzählt, also: beste Unterhaltung.« ('Dresdner')

»Die Spannung hat den richtigen Atem, und auch die Szenen wirken plastisch, fast vertraut.« ('Westdeutsche Zeitung')

Horst Eckert: Annas Erbe. grafit, 1995. ISBN 3-89425-053-4, 262 Seiten, DM 16,80
 

An den zweiten Roman "BITTERE DELIKATESSEN" kann ich mich noch besser erinnern:

Der Feinkostkönig Fabian wird niedergestochen - für die Medien natürlich ein gefundenes Fressen. Zum ersten Mal ermittelt hier Benedikt Engel und der Kommissar gerät direkt ziemlich unter Druck. Einerseits ist er schon ein bisschen publicitygeil, andererseits fordert sein Chef Höchstleistungen; Kollegen feinden ihn an und eine schöne Verdächtige verwirrt ihn.

Horst Eckert: Bittere Delikatessen. grafit, 1996. ISBN 3-89425-059-3, 236 Seiten, DM 16,80
 

Für seinen dritten Kriminalroman AUFGEPUTSCHT erhielt  Eckert 1988 den "Marlowe"-Preis der Raymond-Chandler-Gesellschaft, ausserdem wurde der Roman für den Glauser (Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur) nominiert:

Nowak vom Betrugsdezernat kämpft an zwei Fronten: einmal gegen seine dunkle Vergangenheit, die ihn einzuholen scheint, und dann gegen einen Dealer, der Düsseldorfs Discos und Schulen mit der Modedroge Ecstasy versorgt. Benedikt Engel bekommt es mit einem ziemlich blutrünstigen  Serienmörders zu tun und gerät, nicht unfreiwillig, ins Postenkarussell. Der Neuling Thann ist die Treppe hinaufgefallen und macht sich bei seinen Kollegen direkt unbeliebt, denn er ist Leiter der neugeschaffenen Stelle ID (Innerer Dienst), ermittelt also gegen Kollegen, die unter Korruptionsverdacht stehen.

Horst Eckert: Aufgeputscht. grafit, 1997. ISBN 3-89425-078-X, 412 Seiten, DM 19,80
 

Den Marlowe hat er schon zurecht bekommen,  allerdings liess sich Eckert für "FINSTERE SEELEN" überflüssigerweise (Angst vor dem Versagen?) zwei Jahre Zeit:

Kurz vor Weihnachten wird in der Düsseldorfer  Hansaallee eine übel zugerichtet Frauenleiche entdeckt - wie sich herausstellt ist es die junge Krankenschwester Britta Landwehr und es gibt schnell einen Verdächtigen: Am Abend ihrer Ermordung hatte sie sich mit ihrem Freund in einer Altstadtkneipe gestritten. Doch der Freund kann sie nicht ermordet haben, stattdessen fällt der Verdacht auf einen Serienmörders, den die Presse den "Kannibalen" getauft hatte. Allerdings liegen zwischen dessen ersten beiden Taten und dem aktuellen Fall elf Jahre. Könnte hier ein Trittbrettfahrer aktiv geworden sein?  Die Mordermittler Benedikt Engel und Ela Bach tappen erst einmal im Dunkeln, die Polizeiführung und die Öffentlichkeit wollen aber Ergebnisse. Der Plot wäre kein Eckert-Stoff, bliebe es bei dieser Ausgangssituation. Hinzu kommen ein besonders engagierter junger Kollege der Ermittler, ein handfester Skandal auf der Altstadtwache, Beziehungskonflikte innerhalb und ausserhalb des Dienstes, ein Lokaljournalist und ein Medienmogu, ein weiterer Mord. Für manche der Protagonisten wird die Arbeit zu einem
persönlichen Alptraum.  Eckert gelingt es wieder ausgezeichnet, die zahlreichen Erzählungsfäden am Ende zusammen zu führen, das Buch ist packend, realitätsnah, logisch und temporeich.

Horst Eckert: Finstere Seelen. grafit, 1999. ISBN 3-89425-218-9, 412 Seiten, DM 19,80
 

Eckerts neuester Wurf kam zum Glück schneller auf den Markt, die ZWILLINGSFALLE:

Leo Köster ist mit Leib und Seele "Rambo", Angehöriger eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei. Doch er steckt in einer schweren Krise: Nicht nur hat ihn seine Frau mit dem gemeinsamen Sohn verlassen, er bekommt auch so langsam den Tatterich. Er schiesst mit zittriger Hand nicht nur bei Übungen auf die falschen, nämlich die Geisel-Scheiben, sondern nietet bei einer "Reallage", einem fehlgeschlagenen Zugriff, einen jungen Kollegen um. Klar dass er nicht beim SEK bleiben kann und weil die aus früheren Eckert-Krimis bekannte Ela Bach seiner Versetzung zur Mordkommission widerspricht, landet er zunächst bei der Kriminalwache. Ein schwer zu verkraftender Abstieg für einen Elite-Bullen. Ela Bach will unterdessen Nachfolgerin von Ben Engel als Leiterin des KK 11 der Düsseldorfer Kripo werden und hat mit den üblichen Intrigen und Vorurteilen zu kämpfen - für manch einen Kollegen in der "Festung" ist ein "Huhn" als Chef natürlich unvorstellbar. Und dann ist da noch Martin Zander vom Einsatztrupp der Polizeiinspektion Nord, der "Nebentätigkeiten" nachgeht, indem er Diebesgut abzweigt und auch selbst schon mal einen Bruch macht.

Ein brutaler sechsfacher Mord in der Sauna eines Fitnesscenters, führt die drei zusammen.  Köster, der die Tat entdeckt, kennt eines der Opfer, Zander stellt fest, dass in der Sauna auch Arnie saß - sein Partner im Einsatztrupp und bei seinen illegalen Nebentätigkeiten und Ela Bach schliesslich leitet die SoKo, die den oder die Täter finden soll - ihre grosse Chance ...
 

Horst Eckert: Die Zwillingsfalle. grafit Originalausgabe 2000. ISBN 3-89425-238-3, 352 S., DM 18.80
 

BTW: Unter http://www.polizei.nrw.de/duesseldorf/aktuell/krimi1.htm gibt's einen Online-Fortsetzungsroman, dessen erster Teil von Eckert verfasst wurde und unter  http://www.krimiseum.de/html/eckert-interview.html ein leider ziemlich kurzes Interview. Eckerts eigene Homepage findet sich unter  http://www.horst-eckert.de/index.html, ein Interview der FAZ hier und ein weiteres über seinen Internetkrimi (siehe seine Homepage) hier.

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