Ich zitiere mal von Pieke Biermanns Homepage:
"Es ist 50 Jahre danach -
nämlich nach D-Day und nach dem Datum, an dem Berlin von der Roten
Armee befreit wurde. Vieles von dem, was im Roman passiert, reflektiert,
was 50 Jahre vorher los war. Und absorbiert es. Im Flughafengebäude
lebt und arbeitet eine erstaunlich breit gefächerte Menge Menschen.
Eine irgendwie russische
Organisation mit einem deutschen Mitglied beginnt irgendwie undurchsichtige
Aktivitäten, der zentrale Luftüberwachungsradarraum wird renoviert,
ein geheimnisvoller kleiner alter Mann mit Hut geistert durch alle Etagen,
über- und unterirdisch, wie der Erzähler von Kafkas "Der Bau".
Das Gebäude selbst ist ein ehrgeiziges Projekt der Naziarchitektur
und wird später bedeutend für die Luftbrücke 1948. Das MI/3
heißt jetzt LKA 4113 oder einfach Die Dritte (Mordkommission) und
hat einen neuen Mitarbeiter, der Ossi ist. Sie bekommt den Fall bald entzogen
- das Explosionsopfer war nicht der einzige Mensch mit schmutzigen Händen.
Die Migräne macht ein Bistro in der früheren Diskothek für
GIs im Flughafengebäude auf, genau neben dem Flügel, in dem die
ZERV (Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungsverbrechen
) untergebracht ist - die Renovierung beginnt mit einem dicken Loch in
der Mauer zwischen beiden Gebäudeteilen.
Und am 6. Juni 1994, ziemlich
genau gegen 5 Uhr morgens, landet auf einem ehemaligen sowjetischen Flugplatz
außerhalb von Berlin eine Cessna, die unbemerkt aus Minsk kam. Der
erste leibhaftige Rote Pate bezieht Sitz in Berlin.
Pressestimmen:
Ein überbordendes Gesamtberlin-Opus, prallvoll mit pulsierendem Leben und Typen, Chargen und Charakteren. Ganz und gar frei von sämtlichen Klischees, die Kriminalliteratur zu bieten hat, eher schon ist Alfred Döblin Vorbild für Lebenslinien, die immer eine Ungerade ergeben. Pieke Biermann ist keine Konstrukteurin, sie ist eine Erzählerin, eine Flaneurin, an der Peter Altenberg seine Freude gehabt hätte. (Jochen Schmoldt im "plärrer", Nürnberger Stadtmagazin)
Die Hauptstadt braucht diese
Art Bücher, wie sie seit Döblin keiner mehr versucht hat. [...]"
Nicht wirklich. THF als Schauplatz ist ganz gut gewählt, die Beschreibungen detailgenau und kenntnisreich, aber das war's IMHO auch schon. Das ganze Buch ist irgendwie bemüht - bemüht darum, so zu sein, wie Berlin ist oder wie Berlin in den Augen von Karl Arsch sein soll. Schnell, hektisch, voller Kontraste usw. Ein Rezensent der 'Badischen Neusten Nachrichten' sprach von Pieke Biermanns "Sprachgewalt" und traf damit den Nagel auf den Kopf. Biermann tut der Sprache Gewalt an. Ihr abgehackt hektischer Erzählstil, den wohlmeindene Rezensenten wohl als "filmisch" bezeichnen und die ständige Einwebung von Dia- und Soziolekt gingen mir jedenfalls bald ebenso auf die Senkel, wie die zwanghaften Umsetzungen von "political correctnes". Kodderschnauze ja, Charme nein. Biermann ist (soweit ich das nach diesem einen Roman beurteilen kann) einfach keine Erzählerin, sondern eine Sprachschusterin.
Pieke Biermann: Vier, fünf, sechs. Goldmann 44373, 283 Seiten; DM 12,90
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