Um es vorweg zu nehmen, die Lektüre lohnt sich, egal ob im Original oder in der gelungenen Übersetzung von Christina Schuenke.
Mc Liam Wilson hat einen klassischen Schelmenroman abgelifert - unterhaltsame, urkomische, nachdenkliche, anrührende und zugleich gescheite Lektüre.
Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden Freunde Jake Jackson und Chuckie Lurgan und deren Clique. Ersterer, Katholik und eher weltoffen, gehört zu jenen Losern, die in Belfast offenbar einen idealen Nährboden vorfinden und die jeder von uns zumindest vom Augenschein her kennt, der je in der Stadt war. Seine englische Freundin hat ihn gerade verlassen, er kriecht seelisch auf dem Zahnfleisch. Auch sein Job, dem er immerhin nachgeht, ist nicht dazu angetan, ihm wirkliche Erfolsgerlebnisse zu bescheren. Er trägt anderen Losern, die mi ihren Ratenzahlungen im Rückstand sind, das Mobiliar aus dem Haus.
Auch der fette und hässliche Chuckie, eher tumb, aus ärmlichen Verhältnis und Protestant, war bislang - kein Wunder bei diesen Voraussetzungen - eher auf der Schattenseite beheimatet. Doch dann landet er mit einer windigen (legalen aber ethisch zweifelhaften Idee) einen Volltreffer. Und als hätte das Glück Gefallen an diesem vermeintlich einfältigen Tropf gefunden (warum muss ich immer an Werner Metzen denken?), will es nicht mehr von ihm lassen. Es schüttet sein Füllhorn, die Liebe des Lebens inklusive, über Chuckie aus, dass dieser gar nicht weiß, wo sich in Sicherheit bringen.
Um diese beiden Zentralgeschichten gruppiert der 35jährige Autor, der sein Studium aufgegeben hat, um zu schreiben, mit souveräner Lässigkeit ein Kaleidoskop aus Schicksalen, Käuzen und Anekdoten. Und - vor allem - er lässt Belfast, die eigentliche Hauptfigur seines Romans, lebendig werden. Die Pubs, die auf den Hund gekommenen Vierteln und nicht zuletzt den zur grausamen Routine geronnenen Bürgerkrieg Sein Belfast-Bild ist realistisch, schnörkellos und unverbrämt derb.
Wenngleich der Autor kein politisches Manifest verbreiten will, sondern Leben darstellt, bleibt es nicht aus, dass "Eureka Street, Belfast" auch eine politische Message in sich trägt: Schluss mit dem Scheiss.
Robert McLiam Wilson: Eureka Street, Belfast. Aus dem Englischen von Christa Schuenke, Fischer Taschenbuch, DM 18.90 ISBN 3-596-14416-7, im Original bei Minerva [www.minervabooks.com] ISBN 0-7493-9672-5 für 6 Pfund 99.