Ivo Andric, geboren am 22. 8. 1892 in Travnik/Bosnien, Studium der Slawistik und Gecshichte in Zagreb, Wien, Krakau, Graz, dort 1924 Promotion. Vor dem 1. Weltkrieg zeitweilig Mitglied einer national-revolutionären Jugendbewegung in Bosnien und Herzegowina. Wegen seiner politischen Betätigungen wurde Andric von der österreichisch-ungarischen Regierung während des 1. Weltkrieges in Haft genommen.

1918 wurde er Sekretär des Zagreber Nationalrates, der die Union der Serben, Kroaten und Slowenen proklamierte, was zum Königreich von Serbien, Kroatien und Slowenien, dem späteren Königreich Jugoslawien, wurde. Seit 1921 bekleidete Andric eine Reihe von diplomatischen Ämtern, u.a. in Rom, Bukarest, Graz, Triest, Paris, Madrid, Brüssel, Genf und Belgrad, ab dem 1.4.1939 Gesandter in Berlin.

Begann nach dem Ersten Weltkrieg Erzählungen zu schreiben, verfasste im Zweiten die berühmten Romane: Wesire und Konsuln und Die Brücke über die Drina und veröffentlichte auch Essays und Reisebücher. 1961 Nobelpreis für Literatur. Ivo Andric starb 1975 in Belgrad.

Gegenstand von Andrics stark philosophisch geprägten Werken, die dem klassischen Realismus zugeordnet werden, sind meist die Geschichte seiner Heimat Bosnien und das dortige Alltagsleben - geprägt durch den Zusammenstoß der Kulturen des Nahen Ostens, des Islam, der mitteleuropäischen Kultur, des Christentums und der orthodoxen Kirche.

Seinen literarischen Ruf begründete der 1918 entstandene lyrische Prosatext Ex Ponto, den Andric während seiner Gefangenschaft verfasste. Andric schrieb in Serbokroatisch, wobei seine Romane, Essays, Erzählungen und Tagebücher sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung durch formvollendeten Sprachgebrauch bestechen.

Die Brücke über die Drina gilt zurecht als Schlüsselroman für die nationalen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien - Andric beginnt seinen Roman mit der Knabenlese (der Aushebung 10-15 jähriger christlicher Jungen zum Militärdienst) im zu der Zeit türkischen Bosnien des Jahres 1516. Unter den Jungen ist auch der spätere Mehmet Pascha Sokolovic, den Andric 25 Jahre später die monumentale Brücke über die Drina errichten lässt. Diese Brücke, gelegen in Vischegrad an der Grenze zwischen Serbien und Bosnien, am alten Karawanenweg von Sarajewo nach Istanbul, wird zum Protagonisten des Romans, die historischen Ereignisse geben dabei den Rhytmus der Erzählung vor, die Andric ohne jegliche Sentimentalität und Wehleidigkeit bis in unser Jahrhundert vorantreibt.  Vgl. hierzu auch die hervorragende Rezension von Hartmut Zetzsche auf den Seiten der Freischar.

Ich hatte das Glück, antiquarisch die (gebundene) deutsche Erstausgabe - im Aufbau-Verlag 1965 - erwerben zu können; das Buch gibt es aber auch bei dtv als Taschenbuch, Bestellnummer 10765.

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