Das Rahmenprogramm begann bereist am Donnerstag abend, alte Filme der abw-Festivals waren wohl zu sehen, am Freitag folgte laut Programm die Begrüßung durch den ABW-Vorsitzenden Klaus-Peter Möller (molo), mit Hinweisen auf Leben und Werk Peter Rohlands. Verbürgen kann ich mich dafür nicht, denn ich reiste erst Freitag abend an und das erste, was ich zu sehen bekam, war der Parkplatz von wahrhaft woodstock’schem Ausmaß, den man auf den Wiesen an der Zufahrt ausgewiesen hatte, bewacht von einigen gelangweilten Zugvogel-Pimpfen
Darauf verstreut einige, vergleichsweise wenige Fahrzeuge. Nanu? Waren sie alle zu Fuß oder per Tramp angereist, die zahlreichen Bündischen, die nach mehrjähriger und vorsichtiger, von mancherlei Unkenrufen und Nickeligkeiten zwischen den jungen Bünden und den doch vorwiegend älteren Herrschaften von der Waldeck begleiteten Annäherungen dem Ruf der ABW folgten, nach fast dreissig Jahren ihre Kohten nicht mehr nur in Tante Thea’s Nähe aufzuschlagen, sondern sich wieder auf der Waldeck heimisch zu fühlen?
Nun, sie waren gar nicht gekommen, jedenfalls nicht in den Massen, in denen sie erwartet wurden. Ob das nun am Termin, an der noch nicht vorhandenen Etablierung des Wettstreites im bündischen Festkalender oder am Überangebot an Singewettstreiten lag? Ich weiss es nicht, vermute aber letzteres – die letztlich teilnehmenden Singegruppen, leider nur sechs an der Zahl, hatten, soweit sie mir bekannt waren, nichts Neues eingeübt, spielten ab, was auf anderen Wettstreiten schon erprobt und erfolgreich war.
Doch halt, nicht so schnell, wir sind ja noch beim Freitagabend und der sah, neben den Bellmann-Liedern, vorgetragen von Bömmes auf der halboffenen Bühne und dem vorwiegend vom Zugvogel bestimmten, aber weitgehend gemeinsamen Singen zu späterer Stunde den einzigen Missklang des Wochenendes – der neue Burgvogt beklagte sich unnötig aufgeregt über an falscher Stelle errichtete Zelte und vermutete Böses, Randale und Suff nämlich, dabei standen die betroffenen Zelte doch nur deshalb etwas abseits, damit der Nachwuchs, nach dem sich mancher so sehnt, eine Chance auf Schlaf hatte.
Wie auch immer, die für Samstag vormittag vorsorglich angesetzten Vorausscheidungen waren nicht vonnöten und so begann der Wettstreit um erstaunlich hochwertige Preise gegen 17.00 Uhr mit einer (erneuten?) Begrüßung durch molo, der auch Leben und Werk des Peter Rohland, sowie die Waldeck-Geschichte und die Motivation für diesen Singewettstreit kurz skizzierte. Die Jury bestand aus Annette Degenhardt, Fränz vom Bündischen Audio, dem Zugvogel-Singemeister Uli Becker, Caligula (Martin Schomers) vom Freien Bildungswerk Balduinstein und Kerstin Schiel, Hanno Botsch, Helm König und Hans-Dietrich Mohr (Bömmes) von der ABW, die launige Moderation übernahmen eine (?) grüne Rotweinflasche und der bündische Grandseigneur Hein Kröher.
Wie bereits erwähnt, die nur sechs Singegruppen aus fünf Bünden brachten nichts wirklich neues zu Gehör, es siegte verdient die Fahrtengruppe Jona der KPE vor den Wildgänsen aus dem VCP, dem Mädchenwandervogel Solveigh und dem Kölschen Klüngel (ZV).
Ausgesprochen abwechslungsreich, kurzweilig und überwiegend sehr anspruchsvoll gestaltete sich der Wettbewerb der Einzelsänger, welcher insgesamt 13 Solisten, Duos und Einzelsänger mit Begleitmusikern sowohl aus den Bünden, als auch aus dem ABW-Umfeld angezogen hatte. Von der Degenhardtinterpretation bis zur Bruant-Vertonung, von der eher weltabgewandeten Eigenkomposition bis zur politischen Kabarettnummer reichte die Spannbreite. Es gewannen in dieser Reihenfolge: Plauder (ZV) and Friends, Bernard and Friends, Rheinrussen, (ZV), Konrad Bönig.
Den größten Teil der Darbietungen konnten die ZuhörerInnen, wenn auch in drückender Hitze, so doch im Freien genießen, lediglich gegen Schluss mussten Solisten und Publikum auf ein gestreiftes Bierzelt ausweichen, weil sich von der Mosel ein Gewitter heraufgeschlichen hatte. Dort wurden denn auch die Preisträger verkündet und mit recht dicken Schecks, Jurte und CDs belohnt. Anschliessend folgte das, was immer folgt, wenn gewisse Herren vom Rhein zu Hochform auflaufen, das Wort „Wohlsein“ spielt dabei eine gewichtige Rolle. Wenngleich diejenigen Gäste, die wohl, auch aufgrund der fehlenden Kluft, der ABW zuzuordnen waren, eher respektvollen (?) Abstand von den SängerInnen hielten, hatte ich nicht den Eindruck, sie fühlten sich nicht wohl.
Was bleibt? Ein entspannt verbrachtes Wochenende natürlich, aber auch ein, wie ich finde, im Großen und Ganzen gelungener Neuanfang in den Beziehungen zwischen der ABW und den Bünden. Wir sollten die Chance jedenfalls nutzen, auch die Waldeck als einen der „unsrigen“ Orte anzunehmen, da schadet es auch sicher nicht, dass sie gerne von Trommelworkshops, nicht-klufttragenden Pfadfindern und sonstigen „Unbündischen“ genutzt wird.
Über die Preise,
sowohl die für Unterkunft und Verpflegung auf der ABW, als auch die
für die Sieger(gruppen) sollte man sich noch einmal Gedanken machen,
über den Termin hat man das wohl schon – der 2. Peter-Rohland-Singewettstreit
ist nämlich für den 7.-9. Septmber September 2001 angekündigt.
Vormerken!
mullo
P.S.: Übrigens gibt
es bei Peer Krolle von der ABW Videoaufnahmen mit Ton von allen Gruppen
und den meisten Solo-Sängern zu bestellen. Der Film dauert 112 Minuten
und kostet Preis 38 DM einschließlich Versand (Vorauskasse!). http://www.burg-waldeck.de/pages/video00.htm